Motorradbau in Laubus-Eschbach

Kramer-Maico – wie alles begann

Foto: Archiv A. Kramer

Bevor es zur Gründung der Firma Kramer Motorradbau kam, hatte Fritz als Maico-Händler und Vorsitzender des MSC Laubus-Eschbach schon rege Kontakte in die Moto Cross-Szene, die Anfang der siebziger Jahre zu immer größeren Eingriffen an Maico-Motorrädern geführt haben. Diese Eingriffe mündeten schließlich in die Entwicklung einer neuen Hinterradschwinge samt Stößdämpferanordnung in Cantilever-Bauweise. Anfangs wurden damit umgebaute Maico-Fahrgestelle ausgerüstet bis hin zu komplett neukonstruierten Fahrgestellen, die mit den verbliebenen Maico-Teilen aufgebaut wurden (1975/76). Ca. 50 bis 80 Kramer-Maico dürften damals entstanden sein.

Foto: Archiv A. Kramer

Kramer-Maico mit Cantilever-Fahrwerk

Kramer-Maico, Besitzer/Foto P. Niedderer

Diese Kramer-Maico mit dem Maico-Kurzhubmotor ist eines der letzten Modelle, die noch auf dem Hauptrahmen der Maico basieren. Danach wurden noch 15 Kramer-Maico mit komplett eigenem Rahmen hergestellt. Diese ersten Kramer-eigenen Fahrgestelle kamen aus Frankreich und waren alles andere als haltbar.
So einige Rahmen, die im Rennen am Wochenende gelitten hatten, mußten unter Woche wieder gerichtet werden. Da diese Rahmen hartgelötet waren, konnten sie auch nicht ohne weiteres geschweißt werden. Die Vielzahl der Reklamationen hätte fast das Aus für Fritz Idee der eigenen Kramer-Motorräder bedeutet.
Die Rahmen für die Kramer-Rotax Modelle wurde dann aus CroMo-Stahl selbst gefertigt. Nach dem Desaster mit den französichen Rahmen ging Firtz Kramer hier bewußt soweit und gab 6 Monate Garantie gegen Bruch auf seine Rahmen (außer durch Sturz), bis heute wohl weltweit einzigartig im Bereich der Wettbewerbsmotorräder.Kramer – die 100.

Kramer, die 100.

Foto: Archiv R. Stubig

Einhundert gefertigte Motorräder – das mußte natürlich gefeiert werden! Auf dem Bild von links nach rechts: Silvia Kramer, Gerhard Kramer, Ralf Stubig, Frank Klapper, Heinz Kramer, Fritz Kramer.

 Nr. 100

Foto: Archiv R. Stubig

Die Belegschaft 1978

Foto: Archiv A. Kramer

vlnr: Fritz Kramer, Ralf Stubig, Gerhard Kramer, Rolf Weidner, Achim Kramer, es fehlen Syvia und Inge Kramer

Fritz Kramer 2005

Das neueste Projekt von Fritz (im Bild rechts): eine 1980er LR 250, die er für seinen Neffen Frank (Bildmitte) restaurieren will. Sicher viel Arbeit, aber wer könnte prädestinierter für so ein Projekt sein?

Die Arbeiten wurden vor kurzem (Januar 2007) in Angriff genommen, um die fertige Maschine zum 30-jährigen Jubiläum im September 2007 präsentieren zu können. Leider hat der Plan nicht ganz geklappt, erst 2009 wurde das Motorrad von Fritz besser als neu fertiggestellt.

 Technische Modellhistorie

Im folgenden Absatz werde ich versuchen, nach und nach die technische Entwicklung, hauptsächlich der LR 250-Modelle, zu beschreiben, soweit ich Belege an meinen eigenen Maschinen oder Projekten dafür finden kann. Anhand von Bildern und Beschreibungen möchte ich darstellen, was wann geändert wurde. Kommentare sind stets gerne willkommen, hilfreich wären auch Detail- und Portraitfotos von Motorrädern unter Angabe der Fahrgestellnummer. Mit Zuordnung der Fahrgestellnummern zu Merkmalen wie Tank, Form der Seitendeckel, Front- und Heckkotflügel, Art des Kettenspanners, Länge der Gabel und der Federbeine etc. könnte mit der Zeit eine Unterscheidbarkeit der Baujahre untereinander und Übersicht über die ungefähren Produktionszahlen entstehen.

Produktionsziffern

Soweit der zeitgenössischen Presse zu entnehmen ist, sollen im ersten Jahr (1977) bereits 116 Maschinen die Werkstatt unter dem Gasthaus ‚Jägerhof‘ verlassen haben, davon 85 für den Export nach Frankreich. Im darauffolgenden Jahr waren es 260 Motorräder, für 1979 wurden 500 Einheiten als Planziel genannt, auch wieder hauptsächlich für den Export nach Frankreich, Holland, Belgien und Luxemburg. Bereits 1978 konnten pro Monat 30 Kramer-Modelle gefertigt werden. (Quelle: PS 03/1979 und Motorrad 03/1978)

Insgesamt wurden von Ende 1976 bis Herbst 1981, als die Firma Vergleich anmelden mußte, ca. 1000 Kramer-Sportmotorräder hergestellt. (Quelle: Motorrad 07/1982). Nach Angaben von Fritz sollen jedoch ca. 2000 Motorräder enstanden sein. Daß es definitiv mehr als 1000 Maschinen waren, zeigen die Fahrgestellnummern über *001000# von Modellen aus dem Jahre 1981. Darüber hinaus wurde auch eine unbekannte Anzahl ohne Fahrgestellnummer produziert.

Wie von einem der damaligen Mitarbeiter zu erfahren war, wurden unter der Regie von Peter Heuser vom September 1981 bis zum endgültigen ‚Aus‘ in 1984 maximal ca. 700 Motorräder gebaut. Bis zur Übernahme durch Heuser waren 1981 bereits ca. 500 Maschinen entstanden.

Die Reste der Firma wurden 1984 versteigert und gingen zum größten Teil in die Hände von Reinhard Hallat – dem heutigen Rotax-Importeur für Deutschland – über, der aus den Beständen noch einige Jahre lang Kramer auf Bestellung fertigte.

Tankformen

Die 1977 und 1978 entstandenen Modelle trugen einen Tank aus Aluminium, den es im Laufe der Zeit in einer zweiten, flacheren Ausführung gab. Diese handgefertigten Tanks bezog Kramer aus Großbritannien.

Bereits in 1978 wurde für das Modelljahr 1979 ein laminierter GFK-Tank entwickelt, zunächst in einer flachen Ausführung (siehe auch Fotos/Projekte) und später in einer hohen Version, um mehr Sprit fassen zu können. Hier war der Produktionsort Mattighofen in Österreich.
Ab Ende 1979 kam die heute am meisten verbreitete Tankversion zum Einsatz, ein von Acerbis in Italien gefertigter Kunststofftank. Manche dieser Tanks tragen auf der Unterseite eine Prüfnummer des TÜV-Rheinland vom September 1979, um sie für die Straßenzulassung der Enduros zu homologieren. Jedenfalls gibt diese Prüfnummer einen Anhaltspunkt für die Einführung dieses Tankmodells. Er wurde bis zur endgültigen Schließung der Firma Ende 1983 nicht mehr verändert. Auf dem Foto für den Modelljahrgang 1980 ist ein solcher Tank abgebildet (siehe Startseite).